UNTERNEHMERISCHE AKZENTE SETZEN

Trachten, Österreich, Unternehmen, dritte Generation

Die Marktführerschaft weiter ausbauen, die Expansion vorantreiben und den mitteleuropäischen Modestil aus der Tracht heraus mitprägen: Maximilian Gössl, der den Trachtenhersteller Gössl übernimmt, hat einiges vor.

„Vor meinem Einstieg ins Unternehmen, habe ich mich gefragt, was ich einbringen kann. Den Betrieb gibt es immerhin seit 70 Jahren. Doch man merkt schnell, dass es in einem Unternehmen immer etwas zu optimieren gibt oder etwas, in das man sich mit frischen Ideen reinknien kann.“

„Reinknien“ kann sich Maximilian Gössl seit 2014, als er in die Geschäftsführung des Familienunternehmens Gössl GmbH eintrat. Kürzlich übernahm der Salzburger in dritter Generation die Führung des Betriebs. Das Wichtigste sei ihm nun, eine Priorisierung der Aufgaben zu schaffen. „Ich will die richtigen Dinge – richtig – tun.“

Das Unternehmen, dem Gössl vorsteht, wurde 1947 von Grete und Leopold Gössl gegründet. Erst ein Spezialist für Blusen, erweiterte die Marke das eigene Sortiment ab 1979 auf Trachtenkleidung, in jüngerer Vergangenheit machte man sich auch einen Namen als Lederhosenhersteller – ein Segment, das man weiter stark ausbauen möchte. Man geht gerade mit einer Innovation in den Handel. Die Bachforellenlederhose, die zwei Wildtiere der Heimat gekonnt vereint: die sämisch gegerbte Hirschlederne wird mit dem Druck der rotgepunkteten Bachforelle veredelt. Verkauft werden diese „Meisterstücke der Tracht“ vorrangig im „deutschsprachigen Alpenraum“, so Maximilian Gössl; Interesse gäbe es aber auch aus den USA und zunehmend aus Asien.

Maximilian Gössl, Gössl, Tracht, Hersteller

Maximilian Gössl
... studierte BWL und Philosophie in Graz. Er heuerte anschließend beim Kleiderhersteller Willy Bogner an, wo er zwei Jahre tätig war. 2014 trat er in die Geschäftsführung des Familienunternehmens Gössl ein, nun übernimmt er den Betrieb in dritter Generation vollständig.

Heute ist der Salzburger Traditionsbetrieb mit seinen 100 Mitarbeiterinnen in rund 40 eigenen Geschäften verfügbar. 100.000 Trachtenmodelle werden jährlich hergestellt. Der Umsatz beläuft sich auf rund zwölf Millionen €.

Auf dem Weg zum Unternehmertum nahm Maximilian Gössl den pragmatischen Weg und studierte BWL an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Zusätzliche absolvierte er das Philosophie-Studium – aus Interesse. „Ich habe gelernt, unterschiedliche Positionen einzunehmen, die Welt auch aus der Warte des Gegenübers zu betrachten. Das kann in Verhandlungen sehr hilfreich sein, auch, wenn es manche Entscheidungen nicht gerade erleichtert.“

Gössl will die Expansion vorantreiben. Wachstum erzielt das Unternehmen unter anderem auch durch Franchisepartner, rund die Hälfte der heute betriebenen Stores werden von Partnern geführt. „Oder Partnerinnen, wir haben einen sehr hohen Frauenanteil. Gerade für Frauen ist unser Geschäftsmodell eine attraktive Möglichkeit, sich den Traum vom eigenen Geschäft mit einer Premiummarke zu erfüllen“, sagt Gössl. Freilich gestaltet sich die Suche nach Kandidaten nicht einfach. Es gilt „die Richtigen“ zu finden. „In der Regel arbeiten wir mit Quereinsteigern, die wir ausbilden. Der Wille und die Liebe zur Tracht und Bekleidung sollten gegeben sein – den Rest bringen wir in unserer Gössl Akademie bei.“

Quantitative Ziele sind für den jungen Gössl ein Mittel zum Zweck – im Gegensatz zu den ambitionierteren Bestrebungen. Denn Gössl will den mitteleuropäischen Modestil aus der Tracht heraus mitprägen. „Als führende Trachtenmarke wollen wir im Spannungsbogen von Tradition und Innovation im Kernmarkt durchaus Akzente setzen und diese auch in die Welt hinaustragen – sei es beispielsweise mit der Bachforellenlederhose oder dem Dirndl-Pullover.“ Gössl zeigt das Bild von US Schauspieler Michael Nouri in einer Bachforellenlederhose am bekannten Palmenhain in Beverly Hills. „Wenn unser Gwand in aller Welt getragen wird, gefällt uns das natürlich.“

Aber die richtigen Dinge richtig tun, das heißt für Gössl eben auch, sich weiterhin vor allem auf den Kernmarkt zu konzentrieren und genau dort – gemeinsam mit Franchisepartnern – zu wachsen. Denn die 40 Einzelhandelsgeschäfte sollen bald verdoppelt werden. Über exotische Märkte kann man nachdenken. „Ich hatte erst kürzlich eine Delegation aus Südkorea im Haus. Das Interesse ist groß.“

Dass die denkmalgeschützte Heimat von Gössl, das „Gwandhaus“, kürzlich verkauft wurde, sei dabei sehr hilfreich. „Wir nutzen das Gebäude ja weiterhin und haben durch den Verkauf unsere Kassen gefüllt. Mit einem finanziell gestärkten, unabhängigen Unternehmen habe ich mehr Gestaltungsfreiraum, die nächsten Expansionsschritte voranzutreiben.“

Um den Austausch zwischen Unternehmern zu fördern und Unternehmertum durch den Blick hinter die Kulissen auch für eine breite Öffentlichkeit transparenter zu machen, initiierte Vater Gerhard Gössl 2011 die „Gwandhaus Gespräche“ (siehe nächste Seite). Dazu lädt Gössl ausgewählte Unternehmer ein, um in exklusiver Runde relevante Themen zu diskutieren. Das Spektrum reicht von Unternehmensführung, Markeninszenierung über Warenpräsentation bis hin zu Nachfolgeregelungen. Dass unter anderem Manner-Chef Alfred Schrott, Vorzeige-Unternehmerin Regine Sixt oder KTM-Vorstand Viktor Sigl der Einladung bereits gefolgt sind, zeigt, wie willkommen der gegenseitige Gedanken- und Erfahrungsaustausch zum Thema ist.

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