MUT ZUR SICHERHEIT

WU Wien, Global Executive MBA, Securiett

Marietta Ulrich-Horn und Werner Horn lernten einander im Rahmen des Global Executive MBA an der WU Wien kennen. Sie wurden ein Paar und gründeten das Unternehmen Securikett – allen Widerständen zum Trotz.

Freunde, Bekannte, Experten – alle rieten ihnen ab. Zu riskant sei es, in eine solche Nische einzusteigen, die Wachstumschancen seien zu gering. Doch Marietta Ulrich-Horn und Werner Horn ließen sich nicht von ihrem Plan abbringen: Im November 2001 gründeten sie die auf Produkt- und Markenschutz spezialisierte Securikett Ulrich & Horn GmbH in Wiener Neudorf südlich von Wien. 2002 wurde der Aufbau der Produktionsabteilung sowie von Forschung und Entwicklung (F&E) geplant, der Markteintritt erfolgte schließlich im März 2003.

Die anfängliche Skepsis aus dem Umfeld der Gründer ist längst verflogen: Securikett ist heute weltweit einer der Marktführer im Bereich physikalischer und digitaler Produktschutz. Das Unternehmen beschäftigt 80 Mitarbeiter und exportiert seine Produkte in über 40 Länder, mehr als 50 % gehen nach Asien.

Das ist auf Fleiß, Innovationskraft und Lernfähigkeit zurückzuführen. Doch auch eine Ausbildung und der Zufall spielen in dieser Geschichte eine tragende Rolle: nämlich der Global Executive MBA (GEMBA, MBA steht für Master of Business Administration) der WU Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien. Denn die Unternehmer waren Teil des ersten Jahrgangs des Weiterbildungsprogramms für Management- und Führungspraxis, der den GEMBA 2001 abschloss. Dort lernten sie einander kennen, wurden ein Paar, heirateten – und gründeten vier Monate nach Abschluss des GEMBA ihr Unternehmen. „Einerseits habe ich diese Ausbildung aus praktischen Gründen gewählt, denn man kann diese berufsbegleitend (insgesamt 16 Monate, Anm.) und überwiegend in Wien absolvieren. Das war in meinen Rollen als Mutter und Geschäftsführerin noch unterzubringen. Zudem war ich sehr beeindruckt vom Curriculum und den Professoren. Das war für mich das stärkste Argument: von diesen noch etwas dazulernen zu können“, sagt Marietta Ulrich-Horn.

Die Weiterbildung stellte eine nützliche Erweiterung ihres Fachwissens dar, denn die Unternehmerin trägt einen Doktortitel in Sozial- und Kulturanthropologie der Universität Wien, ab 1992 führte sie gemeinsam mit Karl Ulrich jun. das Familien­unternehmen Ulrich Etiketten als Geschäftsführerin. Das Unternehmen ist bis heute im Etikettengeschäft tätig. Marietta Ulrich-Horns ursprüngliches Ziel mit dem GEMBA war es, den Betrieb professioneller aufzu­stellen sowie zu internationalisieren.

Marietta Ulrich-Horn, Werner Horn, Securikett

Marietta Ulrich-Horn und Werner Horn
... waren Teil des ersten Jahrgangs des Global Executive MBA an der WU Wien (damals noch am Institut für International Marketing Management). Ende 2001 schlossen sie die Ausbildung ab, im November 2001 gründeten sie die Securikett Ulrich & Horn GmbH; der Markteintritt erfolgte im März 2003.

Werner Horn wiederum stammt aus Stuttgart und schloss das Studium der Volkswirtschaftslehre in Boulder (Colo­rado) und Madison (Wisconsin) ab – das Doktorat musste er aufgrund des frühen Todes seiner Eltern abbrechen. Horn übernahm daraufhin das Tex­til­unternehmen seiner Eltern als Geschäftsführer. Doch die Branche sagte Horn auf lange Frist nicht zu. Im Jahr 2001 schrieb er sich dann an der Executive Academy der WU ein: „Es ging mir darum, mich neu zu positionieren und up to date zu kommen. Doch ich hatte keine konkrete Zielsetzung, was ich danach machen will“, so Horn.

Weiterbildung von Führungskräften

Die beiden hatten also bereits vor dem GEMBA-Programm jede Menge Führungserfahrung in Unternehmen gesammelt. Voraussetzung ist eine solche für die Teilnahme an diesem zwar nicht, dennoch richtet sich der Lehrgang an (angehende) Manager und Führungskräfte: Diesen soll mit Expertenwissen in der Management- und Führungs­praxis in aufstrebenden Märkten eine globale Perspektive vermittelt werden. Laut Statistik haben die Teilnehmer durchschnittlich 14 Jahre an Berufserfahrung, sechs davon in Führungspositionen.

Um die Jahrtausendwende war der GEMBA noch am Institut „International Marketing Management“ an der WU Wien an­gesiedelt. Um die berufliche Weiterbildung an der Uni jedoch unter einem Dach zu bündeln, wurde 2005 die WU Executive Academy ins Leben gerufen. Dort ist seither auch der GEMBA beheimatet. „Es war damals ein sehr früher Zeitpunkt, am österreichischen Markt ein MBA-Programm zu etablieren. Doch die WU wollte genau ein solches Format ins Leben rufen und hat sich daher entschlossen, die Executive Academy zu gründen“, sagt Astrid Kleinhanns-­Rollé, die gemeinsam mit Bodo B. Schlegelmilch für die Gründung der Business School verantwortlich war. Kleinhanns-Rollé ist seither Managing Director, Schlegelmilch war bis Oktober 2015 Dean der Executive Academy, bis er die Rolle an Barbara Stöttinger übergab.

Seither ist die Business School rasch gewachsen: Zu Beginn hatte sie noch vier Mitarbeiter, zwei MBA-Programme, zwei Universitätslehrgänge und einige Firmenprogramme und Seminare; heute sind es insgesamt 70 Mitarbeiter und eine Vielzahl an Weiterbildungsprogrammen – darunter MBA- und Master-­of-Laws-Programme, das Universitätsstudium „Diplom BetriebswirtIn“, Universitätslehrgänge, Custom Programs und Kurzprogramme. Die WU Executive Academy zählt zu den führenden Weiterbildungs­anbietern in Zentral- und Osteuropa. Im Financial Times Executive MBA Ranking 2018 erreichte die WU Executive Academy Platz 45, in der DACH-Region war es der vierte Rang. Der GEMBA ist mit der dreifachen Akkreditierung der Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB), der AMBA (Association of MBAs) und von EQUIS (European Quality Improvement System) ausgezeichnet.

 

Astrid Kleinhanns-Rollé

Astrid Kleinhanns-Rollé, WU Wien

Unsere Alumni sagen oft, dass sie sich nach der Ausbildung mehr zugetraut haben.

Die WU Executive Academy setzte von Beginn an einen Schwerpunkt auf Internationalität. Der GEMBA beruht auf einer Partnerschaft zwischen der University of Minnesota und der WU Wien. Das Programm ist in 15 Module eingeteilt, elf absolvieren die Teilnehmer in Wien, vier finden im Ausland – in Argentinien und Brasilien, China und Indien sowie den USA – statt. Dort wird im Rahmen eines Global Team Projects in internationalen Gruppen zusammengearbeitet. „In den USA haben wir die ‚Big-Corporate-Welt‘ kennen­gelernt und die großen Konzerne an deren Hauptsitzen besucht. Wir waren bei Daimler Chrysler (im Jahr 2007 erfolgte nach dem mehrheitlichen Verkauf von Chrysler die Umbenennung in Daimler AG, Anm.), Med­tronic und 3M. Es war sehr interessant, diese großen Unternehmen von innen kennenzulernen“, sagt Marietta Ulrich-Horn.

Das internationale Umfeld der WU Executive Academy spiegelt sich auch in den Professoren und Senior Managern, die in die Fakultät eingebunden sind, wider. „Es war wirklich beeindruckend, dass die Profe­ssoren ständig die aktuellsten wissen­schaftlichen Erkenntnisse aus ihren Fächern präsentiert haben“, so Marietta Ulrich-Horn. Von den Teilnehmern stammen durchschnittlich 71 % aus dem Ausland, an Branchen sind der Finanz- und Versicherungssektor, die Fertigungsindustrie sowie IT und Telekommunikation am häufigsten vertreten. Die Absolventen profitieren darüber hinaus von zwei GEMBA-Abschlüssen: einem in Österreich sowie jenem in den USA.

Führungskräfte von morgen

Die Zielsetzung der WU Executive Academy bzw. des GEMBA ist klar: die Ausbildung von Top-Führungskräften, die auf die Herausforderungen in der heutigen Zeit reagieren können, mit denen sie sich in anspruchsvollen Branchen und Geschäftsfunktionen konfrontiert sehen. Zudem richtet sie sich an jene Menschen, die in ihrer beruflichen Karriere in höhere Positionen aufsteigen und mehr Verantwortung für die gesamte strategische Richtung des Unternehmens einnehmen wollen.

Dabei stellt sich jedoch die Frage: Was macht eine Top-Füh­rungskraft aus? „Es gibt Studien,
die belegen, dass eine erfolgreiche berufliche Karriere dann sehr wahrscheinlich ist, wenn Menschen ihren Fokus auf die folgenden drei Bereiche legen: Der erste Punkt betrifft den Inhalt – die Leute sollten wissen, wovon sie sprechen, und ein Wissen aus vielen Bereichen mit­bringen. Der zweite Punkt ist, sich in Netzwerken bewegen und auf einer Community aufbauen zu können. Drittens: für sich zu definieren, wo man genau hinwill und wofür man brennt. Dann kann man sich auch besser entfalten“, sagt Managing Director Kleinhanns-Rollé. Unter den Alumni des GEMBA höre sie oftmals, dass sich diese durch die Weiterbildung nun mehr zutrauen würden und mehr Mut gesammelt hätten. „Das sehe ich auch so“, bestätigt Marietta ­Ulrich-Horn.

Die WU Executive Academy
... wurde im Jahr 2005 gegründet. Heute leiten Astrid Kleinhanns-Rollé als Managing Director und Barbara Stöttinger als Dekanin die Geschicke der Business School.

Mutiger Schritt

Die Unternehmer mussten ihren Mut sowie ihre Führungsqualitäten ­oftmals unter Beweis stellen. Denn anfangs war es alles andere als einfach, Securikett aufzubauen. „Unser Fachwissen bezog sich auf Etiketten im Allge­meinen, aber nicht speziell auf deren Sicherheitsaspekte. Das war für uns beide Neuland. Wir haben uns dann in relativ kurzer Zeit ein Fachwissen in diesem Bereich aufgebaut. Mittler­weile gehören wir weltweit sicherlich zu den Personen in der Branche, die sich am besten damit auskennen“, sagt Werner Horn. Zu Beginn nahmen die Gründer einen Kredit auf, um die F&E-Abteilung sowie die Produktion auf die Beine zu stellen. Aufgrund der hohen Investitionskosten erwirtschaftete das Unternehmen die ersten zwei Jahre Verluste – im dritten Jahr schrieb man bereits schwarze Zahlen. Die CEOs hatten ein Gespür für die Markt­aussichten im Bereich des Produktschutzes. Denn dieser sei damals nur punktuell im Rahmen des Etikettenschutzes vorhanden ge­wesen – etwa jenem zu Autobahn­vignetten oder beim Schutz für Medikamente, so Marietta Ulrich-Horn.

Securikett entwickelt und vertreibt Sicherheitsetiketten und Siegel für Manipulationsschutz von Produkten. Das Ziel: Manipulationen von Produktverpackungen sowie Produktfälschungen zu verhindern. Zweiteres wird durch die eindeutige Authentifizierung von Original­produkten erreicht. Diese kann durch die direkte Markierung des Produkts oder durch die Kennzeichnung der Verpackung – etwa mittels Sicher­heits­etikett – erfolgen.

Physisch und digital

Das Besondere: All diese Lösungen können mit NFC (ein auf der RFID-Technik basierender internationaler Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per elektromagnetischer Induktion, Anm.) oder RFID (Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zum automatischen und berührungs­losen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten, Anm.) und den CODIKETT® Cloud Services verbunden werden. „Dabei handelt es sich um eine digitale Plattform. Diese umfasst drei Bereiche: Darunter fällt die Rückverfolgbarkeit von Produkten, das heißt, die Kontrolle der Distributionskette; der Bereich Security umfasst den Schutz des Produkts vor Fälschungen beziehungsweise können diese gegen Fälschung besser kenntlich gemacht werden; der dritte Bereich betrifft das User Engagement, wodurch man mit den Kunden kommunizieren kann“, so Werner Horn.

Laut Marietta Ulrich-Horn stammen die meisten Kunden von Securikett aus der Pharmaindustrie sowie dem Spirituosen- und Luxusgütermarkt. In den Bereichen Automotive und Mode ist das Unternehmen ebenso stark vertreten. In China würde die entsprechende Nachfrage in der Lebensmittelindustrie steigen. Aber welche Führungsqualitäten zählen für die CEO am meisten? „Ich denke, in der obersten Liga gibt es ein paar Eigenschaften, die man beherrschen muss. Es ist auf jeden Fall das Visionäre und Gesamtheitliche – wenn jemand nur in seiner Kammer gut arbeitet und fleißig ist, reicht das nicht. Und der zweite wirklich wichtige Punkt sind die kommuni­kativen Fähigkeiten“, so Marietta Ulrich-Horn.

Diese Führungsqualitäten werden die beiden Geschäftsführer auch in Zukunft benötigen. Denn sie wollen das Unternehmen unabhängiger von ihnen aufsetzen – und es langfristig von neuen Personen führen lassen. „Wir beschäftigen uns zudem sehr stark mit der Frage des Wachstums: Wir hatten vergangenes Jahr ein organisches Wachstum von 25 Prozent, in diesem Jahr werden es wahrscheinlich 30 Prozent sein. Das hängt davon ab, ob wir diesen Monat einen großen Auftrag aus der Tabakindustrie bekommen“, so Werner Horn. Drei Szenarien kommen infrage: Das Unternehmen wächst organisch weiter; es kommt zu Beteiligungen an Securikett zur Unterstützung eines noch rascheren Wachstums; oder Securikett kauft selbst kleinere Anbieter in der Branche auf – „und wir steigen somit zu einem global bedeutungsvollen Akteur auf.“

Ihre Ausbildungsstätte, die WU Executive Academy, feilt ebenso bereits an Zukunftsplänen: „Der Bedarf an Weiterbildungen ist riesig. In Zeiten, wo sich derart viel verändert, besteht die Herausforderung darin, die Angebote mithilfe von technologischen Mitteln so anzupassen, dass jeder die Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dies können etwa Inhalte sein, die einen auch abseits des MBA-Programms interessieren“, so Kleinhanns-Rollé. Mit dem bereits bisher weit spannenden Angebot und Netzwerk an der Business School ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis dies umgesetzt wird.

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Editorial Team

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