Gstanzl-Singen kann teuer werden

Mit dem auf der ganzen Welt bekannten Song “Happy Birthday” lukriert das US-Label Warner Music Group jährlich Lizenzgebühren.

Diese liegen bei rund zwei Millionen US-$. Filmemacherin Jennifer Nelson behauptet nun, dass dieser Geburtstagssong der ganzen Welt gehört und nicht einer Firma. FORBES Austria hat sich zudem bei der Verwertungsgesellschaft AKM erkundigt, welche anderen Songs noch unter unvermutetem, urheberrechtlichem Schutz stehen.

Hätten Sie gedacht, dass es ganz schön teuer werden kann, ein Geburtstags-Gstanzl öffentlich zum Besten zu geben? “Happy Birthday” wird weltweit auf Englisch, Finnisch, Arabisch oder auch Japanisch gesungen und wurde sogar schon ins Klingonische übersetzt. Aber egal, wie weit es verbreitet sein mag, es befindet sich nach wie vor im Privatbesitz des US-Labels Warner Music Group. Mit 5.000 US-$ am Tag gilt “Happy Birthday” als eines der lukrativsten Lieder der Welt.

Die in New York wirkende Regisseurin Jennifer Nelson musste 1.500 US-$ für die Nutzerlizenz des Songs bezahlen, den sie im Rahmen ihres Dokumentarfilms über die Herkunft von “Happy Birthday to You” naturgemäß verwendete. Als sie einen Artikel des Rechtswissenschafters Robert Brauneis fand, in dem dieser das Urheberrecht für ungültig befand, zog sie 2013 mit zwei weiteren Künstlern vor Gericht. „Es ist so ein großer Teil unseres Lebens,“ sagt Nelson. „Der Gedanke, dass du dafür zahlen sollst, oder dass es irgendjemandem gehört, ist einfach nicht ok.”

Zunächst argumentierten die drei, dass eine 1963 vorgenommene Erneuerung des ursprünglichen Urheberrechts von 1935 ungültig war. Dann fanden sie vor einem Monat den möglicherweise schlagenden Beweis. In einem Liederbuch von 1922 war “Happy Birthday to you” ohne urheberrechtlichen Schutz veröffentlicht worden. Nach US-Recht waren damit alle späteren Ansprüche ungültig. Die Filmemacherin hofft auf eine Entscheidung des US-Gerichts bis zum Jahresende. Nach Auskunft der AKM ist das Lied “Happy Birthday” in Österreich noch bis 31.12.2016 geschützt. Generell sind Songs sind bis 70 Jahre nach dem Tod des letztlebenden Urhebers (Komponist, Textdichter) geschützt. Die 70-jährige Schutzfrist gilt aktuell europaweit.

In der Simpsons-Folge “Dude where’s my ranch” wird dieses Thema auf humorvolle Art zugespitzt: Homer, Marge, Lisa und Bart ziehen zur Adventszeit von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder. Der Brauch endet abrupt, als sie zum Haus des bösen Anwalts kommen. Der häufig für Mr. Burns arbeitende Jurist meint nämlich, dass der Gesang der Familie Urheberrechte verletzen würde. Als Homer darauf hin einen Seufzer ausstößt, weist ihn der Anwalt schroff darauf hin, dass auch dieser Ton urheberrechtlich geschützt sei. 2010 ist die GEMA in Deutschland skurriler Weise sogar gegen Kindergärten vorgegangen, die bei Laternenumzügen zu St. Martin, die Noten geschützter Kinderlieder vervielfältigten. Damit wir ohne kostspielige Überraschungen bekanntem Liedgut auch in der Öffentlichkeit frönen können, hier eine kleine Liste unvermutet urheberrechtlich geschützter Lieder:

WHITE CHRISTMAS

Das von Irving Berlin komponierte Weihnachtslied wurde 1947, mit einer von Bing Crosby gesungenen Version veröffentlicht und gilt mit geschätzten 50 Millionen verkauften Singles, als die meistverkaufte Single aller Zeiten. (Kompostition und Text: Irving Berlin (+1989) geschützt bis 2059)

-O SOLE MIO

Bedeuted aus dem neapolitanischem übersetzt “Meine Sonne” und gilt als “Gassenhauer”, der durch seine ins Ohr gehende Melodie einen Siegeszug um die ganze Welt feierte. (Komposition: Eduardo Di Capua (+ 1917) und / Emmanuele Mazzucchi (+1972), Text: Giovanni Capurro (+1932), geschützt bis 2042)

HERRGOTT AUS STAN

Das Paradebeispiel des Wienerlieds wird wohl täglich bei irgendeinem Heurigen angestimmt. Nach einer frühzeitig beendeten Karriere als bildender Künstler komponierte sich der heute 80-jährige Karl Hodina 1971 mit dem “Herrgott aus Stan” in die Herzen der einschlägigen Musikfreunde. (Komposition und Text: Karl Hodina (*1935) geschützt bis 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers)

LA LE LU

Ist ein deutsches Schlaflied, das im Jahr 1950 vom Komponisten Heino Gaze geschrieben wurde und noch heute täglich Kinder in den Schlaf wiegt. (Komposition und Text: Heino Gaze (+1967), geschützt bis 2037)

-DIE REBLAUS

Ist das wohl bekannteste Wienerlied des beliebten Volksschauspielers und Sängers Hans Moser. Ein öffentliches Singen dieses alten Haderns muss in Österreich bei der AKM gemeldet und vergebührt werden. (Komposition: Karl Föderl (+1953), Text: Ernst Marischka (+1963), geschützt bis 2033)

Foto: Shutterstock/Zurijeta

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