GRÜNER SONNENKÖNIG

Greenonetec, CEO, Robert Kanduth, EY Österreich, Christoph Harreiter, EY Entrepreneur of the

Solarenergie eröffnet neue Chancen in Smart Cities: Robert Kanduth, CEO von GREENoneTEC, und Christoph Harreither, Leiter Government und Public Services bei EY Österreich, über das Potenzial erneuerbarer Energien.

Herr Kanduth, Sie sind heute CEO eines Unternehmens, das laut eigenen Angaben Weltmarktführer im Feld der thermischen Solarkollektoren ist. Vor der ­Gründung im Jahr 1991 sah Ihr Leben jedoch noch ganz anders aus. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

RK: Ich war schon immer ehrgeizig: Bereits mit 22 Jahren war ich Produktionsleiter bei Philips in Klagenfurt und hatte 60 Mitarbeiter unter mir. Ich wollte noch mehr erreichen und mich neuen Herausforderungen stellen – aber ich war „nur“ als Schlossermeister ausgebildet, während alle anderen über mir frisch von der Universität kamen. Also hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich gehe studieren oder ich werde selbstständig. Schlussendlich habe ich mich im Alter von 25 Jahren für den zweiten Weg entschieden. Ich wusste noch nicht genau, in welchen Bereich ich gehen wollte, habe aber dann in meiner Garage an Kollektoren gebastelt und mich auf Solarenergie spezialisiert, weil ich darin riesiges Potenzial gesehen habe – und dabei ist es geblieben.

Nun produzieren Sie mit Ihrem Unternehmen GREENoneTEC ­thermische Solarkollektoren (welche Sonnenenergie in Wärme umwandeln, Anm.) für die Produktion von Warmwasser, aber keine Photovoltaikanlagen zur Strom­erzeugung – was war der Grund
für diese Entscheidung?

RK: Solarthermie, also die Umwandlung von Sonnenenergie in Wärme, ist einfach wesentlich effizienter als Photovoltaik. Unsere Anlagen transformieren 80 % der eingestrahlten Energie in Wärme, während bei Photovoltaik nur 18 % in Strom umgewandelt werden. Natürlich kann man mit Wärmeenergie nicht den Fern­seher einschalten, man benötigt Photovoltaik also genauso. Es braucht eben den richtigen Mix aus erneuerbaren Energien.

Dass Photovoltaik heute als das Nonplusultra gilt, ist reine Glückssache. Die Technologie ist vor mehr als zehn Jahren so stark gefördert worden, dass man damit mehr Geld verdient, als die Anlage gekostet hat. Aus diesem Grund entstand der Hype um die Photovoltaikanlagen, bis sie schließlich in Massen produziert ­wurden – das heißt aber nicht, dass das in jeder Situation die beste Technologie ist.

Inwiefern erschwert Ihnen das den Verkauf Ihrer Anlagen, wenn thermische Solarenergie weniger gefördert wird?

RK: Alleine im Inland gibt es viel zu wenig Aufträge. Die Anreize, eine Photovoltaikanlage zu kaufen, sind zu groß. Deshalb sind wir heute mit 150 Mitarbeitern und einem Umsatz von 26 Millionen € wesentlich kleiner als zu unseren besten Zeiten im Jahr 2008, in dem wir 117 Millionen € Umsatz erwirtschaftet haben – und das, obwohl wir in Österreich einen Marktanteil von 70 bis 75 % bei der Solarthermie haben. Unsere Exportquote liegt bei 85 %, das meiste davon geht nach Deutschland und Italien. Weil der europäische Markt für uns seit 2008 durch die starke Förderung der Photovoltaik zurückgegangen ist, haben wir jetzt aber auch einige neue Produkte für den internationalen Markt entwickelt. Seit Kurzem bieten wir daher das Sunpad an, einen völlig flachen Sonnenkollektor mit inte­griertem Boiler. Davon verschicken wir gerade 50 Prototypen in 50 Länder weltweit, 5.000 Stück wurden bereits in Auftrag gegeben. Dafür suchen wir uns in jedem Land zwei bis drei große Partner, welche den Vertrieb für uns übernehmen.

Christoph Harreither, wie ­ent­wickelt sich der weltweite ­Solarmarkt generell?

CH: Im Moment gibt es immer wieder die Diskussion, dass es mehr erneuerbare Energien braucht. Dadurch wird sich die Politik jetzt noch stärker darum kümmern müssen als in der Vergangenheit – da kann man natürlich nur mit einer zukunftsweisenden und ressourcenschonenden Technologie gewinnen. Die Stadt Wien etwa nutzt eine Solarfläche von rund 19 Fußballfeldern, das Thema erneuerbare Energien steht dort ganz oben auf der Agenda der Stadtregierung. In vielen Städten und Regionen Österreichs sieht es ähnlich aus. Das Schonen von Ressourcen und CO2-Neutralität werden gerade immer wichtiger.

RK: Aufgrund des Österreichischen Umweltzeichens, eines Gütesiegels für ökologische Wirtschaft, müssen sich unsere Anlagen innerhalb eines Jahres amortisieren. Die für den Bau einer Solaranlage verbrauchte Energie muss also in diesem Zeitraum über die Anlage erwirtschaftet werden. Danach sind wir CO2-frei.

Wo liegen denn die großen Wachstumsmärkte von Solarkollektoren?

RK: Prinzipiell auf der ganzen Welt. Photovoltaik und Solarthermie bieten beide großes Wachstumspotenzial. Es gibt mittlerweile kein Land auf der Welt mehr, das nicht auf Sonnen­energie setzt. Weltmarktführer in beiden Bereichen ist jedoch China. 80 % der Photovoltaikanlagen stammen von dort. Grund dafür sind die politischen Vorgaben: Eine Strategie für erneuerbare Energien wird dort sofort umgesetzt. Wir alle wissen seit 30 Jahren, dass wir ein CO2-Problem haben, wirklich weitergekommen sind wir hier jedoch noch nicht.

Es braucht eben den richtige Mix aus erneuerbaren Energien.

Gilt dies auch für Österreich? ­Immerhin scheint das Land mit 32 % erneuerbaren Energien und Platz fünf im europäischen Vergleich sehr gut dazustehen.

RK: Österreich hat das Glück, dass hier zufällig extrem viele Flüsse durchfließen, dadurch nutzen wir seit Jahrhunderten die Wasserkraft – früher über Mühlen, heute über Kraftwerke. Was Innovation betrifft, waren wir aber eigentlich 50 oder 100 Jahre lang untätig. Andere Länder haben ihren Anteil von 12 % auf 35 % gesteigert und mussten dafür viel mehr tun.

Gibt es denn Ansätze, um Innovation in Österreich voranzutreiben?

CH: Ich bin mir sicher, die Förderpolitik spielt dabei eine wichtige Rolle. Einerseits müssen gezielte Investitionen getätigt und intelligente Lösungen geschaffen werden sowie Unternehmer dazu motiviert werden, in diese Richtung zu denken und zu forschen. Andererseits ist natürlich das Umdenken des Konsumenten essenziell; zum Beispiel, dass man eben nicht mit dem Auto zum Supermarkt fährt, sondern auch alternative Systeme wie Carsharing nutzt. In diese Richtung denkt die kommende Generation jetzt schon sehr stark. Ich bin nicht dafür, dass man da wahnsinnig viele Verbote schafft, sondern Anreizsysteme, die in die entsprechende Richtung lenken.

RK: Ich sehe das etwas anders. Es gibt ein paar umweltbewusste Menschen – doch die Mehrheit engagiert sich sehr wenig. Diese passt ihr Verhalten nur dann an, wenn entsprechende Gesetze geschaffen werden. Fahren Sie einmal in einen Tunnel oder auf eine Autobahn mit Section Control – da wird kaum jemand in den Blitz fahren. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Wenn Sie heute ein Haus bauen, bekommen Sie extrem viele Auflagen. Stufen, Geländer, einfach alles wird genau definiert – warum kann man dann nicht auch erneuerbare Energie definieren? Warum dürfen immer noch Ölheizungen eingebaut werden? Ich bin mir sicher, dass ohne Gesetze nichts passieren wird. Bestes Beispiel sind Elektroautos: Immer mehr Leute kaufen sich diese – aber nicht etwa wegen der Reichweite, sondern weil man gratis parkt, keine Mehrwertsteuer und NoVa (Normverbrauchsabgabe, die in Österreich beim Neukauf eines Autos fällig wird, Anm.) zahlt; und auch der Sachbezug ist befreit.

2017 hat der chinesische Konzern Haier 51 % der Anteile und 50 % der Stimmrechte von GREENoneTEC gekauft. Besteht hier nicht die Gefahr, dass China maßgeblichen Einfluss in Europa gewinnt, wenn chinesische Unternehmen Anteile an österreichischen Firmen er­werben?

RK: Wir merken kaum etwas davon. Niemand aus China kontrolliert bei uns die Abläufe. Haier lässt ­seine Firmen völlig frei arbeiten und unterstützt sie lediglich mit seinem Netzwerk, damit diese wachsen und ihren Umsatz steigern können. Durch ebendieses Netzwerk haben wir große Kunden wie General Electric in den USA gewonnen.

CH: Es zeichnet sich deutlich ab, dass China in der Politik sowie in der Weltwirtschaft eine immer größere Rolle spielen wird. Das Projekt Seidenstraße (welches Europa und Asien in ihrer Infrastruktur verbinden soll, Anm.) ist ein Beispiel dafür. Das bringt speziell für Europas Wirtschaft gleichermaßen Herausforderungen und Chancen mit sich. Wenn die Partnerschaften fair sind und gut funktionieren, ist das ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil und Wachstumstreiber. Das Problem ist im Moment eher, dass China sehr stark in Europa investiert, aber Europa nicht in China. Die Seidenstraße muss keine Einbahnstraße sein – wir müssen diese riesige Chance nur nutzen.

 

Unternehmenskennzahlen
Greenonetec

(Quelle: Greenonetec)

Infografik Solar EY

 

Wie sieht die Zukunft für GREEN­oneTEC aus? Und wie werden sich in diesem Zusammenhang Smart Cities im Bereich der erneuerbaren Energien entwickeln?

RK: Ich bin mir sicher, dass das Sunpad ein voller Erfolg wird und weitere Großprojekte für GREENoneTEC folgen werden. Der Plan sieht vor, dass wir davon in drei bis vier Jahren 40.000 bis 50.000 Stück pro Jahr produzieren.

CH: Wenn man die Entwicklung der Städte weltweit betrachtet, existiert ein riesiges CO2- und Feinstaubproblem – speziell in Megastädten wie Peking. Deshalb kann die Tendenz nur dahin gehen, dass mit erneuerbaren Energiequellen gearbeitet wird, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Bereits jetzt gibt es unzählige Projekte, und ich bin überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird: Elektroautos, Sonnenenergie, Windenergie – es tut sich sehr viel.

Der innovativste Bereich ist derzeit aber sicher die Mobilität. Auto­nomes Fahren, Carsharing in Verbindung mit öffentlichem Nahverkehr und eine gute Infrastruktur spielen eine große Rolle – ebenso eine gute digitale Vernetzung, wie eine EY-Umfrage zum Thema Smart City unlängst ergeben hat. Ein sehr spannender Bereich ist auch Smart Energy: Durch die Einführung intelligenter Messsysteme – Stichwort Smart Metering – lässt sich auf Basis der gewonnenen Daten viel Energie sparen. Es gibt also einige ausschlaggebende Felder, die bestimmen werden, wie „smart“ eine Stadt ist.

Text: David Hanny

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