Extrovertiert, lebensfroh, authentisch

Ulrike Ehrlich, Sportalm Kitzbühel 1

Als Chefdesignerin und Frontfrau prägt Ulrike Ehrlich Sportalm Kitzbühel seit über 20 Jahren. Ab 2020 steuert Ehrlich den Familienbetrieb als einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin vollends eigenständig.

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Ursprünglich 1953 von Willi Krueschnigg als kleine Strickerei gegründet, spricht Sportalm Kitzbühel mit seinen Aktivitäten in drei Segmenten – Mode, Skimode und Tracht – vorrangig Frauen an, vor fünf Jahren folgte aber auch eine Herrenkollektion. 1980 übernahm Ulrike („Ulli“) Ehrlichs Vater Wilhelm die Anteile am Unternehmen, insgesamt erwirtschaftet der Betrieb heute rund 55 Millionen € im Jahr. Das Unternehmen durch-lebte einige Krisen, rappelte sich aber stets wieder auf – und steht heute durchaus auf soliden Beinen.

2020 werden nun die Weichen für die Zukunft gestellt – mit nachhaltigen Auswirkungen auf Ulrike Ehrlich selbst. Denn um den Generationenwechsel im Familienbetrieb endgültig abzuschließen, übernimmt Ehrlich kommendes Jahr alle Unternehmensanteile, die bisher zwischen ihrem Vater Wilhelm, ihrer Schwester Christina und ihr selbst gedrittelt waren. Der Vater, der bisher vor allem die Finanzen im Auge behielt und die Produktionsstätte in Bulgarien verantwortete, zieht sich endgültig aus dem operativen Geschäft zurück. Er wird dem Unternehmen im neuen Beirat erhalten bleiben. Schwester Christina verbleibt im Unternehmen, gibt ihre Anteile aber an Ulli Ehrlich ab. In naher Zukunft wird der neuen Chefin in Kitzbühel mit Sicherheit nicht langweilig.

Vor allem die Modesparte betrachtet sie als vielversprechend: „Das Wachstum kommt eindeutig von der Mode.“ Aber auch die Skimode entwickle sich positiv – und auch die Digitalisierung sowie die Expansion in neue Märkte sind für die in Kitzbühel verankerte Marke ein großes Thema. Trotz Respekt vor der neuen Aufgabe unterstreicht Ehrlich jedenfalls das Positive: „Ich freue mich aufs Gestalten, aufs Schaffen – einfach auf die Aufgabe an sich.“

Ulrike Ehrlich, Sportalm Kitzbühel 2

Ulrike (Ulli) Ehrlich
... wuchs in Kitzbühel als Tochter von Wilhelm und Herta Ehrlich auf. Sie absolvierte die Modeschule, bevor sie 1998 ins elterliche Unternehmen Sportalm Kitzbühel eintrat. Heute ist sie als Kreativchefin aktiv, ab 2020 wird Ehrlich als einzige Gesellschafterin und alleinige Geschäftsführerin die Geschicke des Unternehmens steuern.

Als wir Ulli Ehrlich fragen, wer denn ihre klassische Kundin sei, wirkt es fast so, als würde sich die Chefdesignerin der Marke Sportalm Kitzbühel selbst beschreiben: „In der Regel sind das reiselustige, sportliche Frauen, die extrovertiert sind und voll im Leben stehen; im Durchschnitt wahrscheinlich eine Mitt-vierzigerin, die über ein höheres Einkommen verfügt“ – Ehrlich, die während des Fotoshootings mehrmals herzlich auflacht, reist nach unserem Interview zu einem Shooting in Griechenland und steht als Unternehmerin zudem auch voll im Leben.

2001 begeisterte die legendäre britische Designerin Vivienne Westwood mit einem einzigen Satz alle im Publikum anwesenden Personen. Westwood war bei einer Diskussion in Bad Aussee zu Gast, als sie sagte: „Würde jede Frau ein Dirndl tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr auf der Welt.“ Als Trachten-designerin unterschreibt Ehrlich diesen Satz naturgemäß sofort. Denn Dirndln würden Damen vorteilhaft darstellen – und es gäbe auch keinen Mann, der das nicht schön finden würde.

Trotz des ästhetischen Aspekts zeigt sich bei der Designerin auch der geschäftliche Verstand, denn beim wirtschaftlichen Ausblick der Sparte bremst Ehrlich die Erwartungen. „Mit Trachten ist relativ wenig Wachstum möglich“, sagt sie. „Wir leben da in Österreich in einer etwas verzerrten Welt. Das Dirndlfieber beschränkt sich tatsächlich auf den alpenländischen Raum.“ 10 % der Einnahmen erwirtschaftet das Unternehmen -heute mit Trachten, 60 % des Um-satzes stammen aus dem Mode-geschäft, 30 % erzielt die Skimode.

Wachstum erwartet sich Ehrlich aber durchaus von den anderen beiden Sparten. Stark ist die Marke neben Deutschland und Österreich vor allem in osteuropäischen Märkten: In Russland und Tschechien läuft das Geschäft gut. Ehrlich: „Wir haben überall dort Erfolg, wo Mode in Kombination mit Skimode gut funktioniert.“ Doch auch in den USA, Frankreich, Belgien und den Niederlanden sprich Ehrlich von „schönen Erfolgen“.

Verkauft werden die Sportalm-Produkte, die bei der Skimode dem Premiumsegment zugeordnet werden können, auch heute noch vorrangig im stationären Handel. „Am besten funktionieren unsere Produkte dort, wo es eine gute Beratung gibt“, sagt Ehrlich. Auf Designebene sieht die 51-Jährige den Trend wieder zu simplerer Gestaltung gehend.

Dabei wolle man die Digitalisierung aber keinesfalls vernachlässigen – das Thema sei ein großes, obwohl Ehrlich da auch noch Investitionsbedarf für die Zukunft verortet. „Wir haben einen guten Onlineshop, der performt, aber in Sachen Warenwirtschaftsprogramm oder E-Commerce ist noch einiges möglich.“

Die Zeiten sind derart komplex, dass das mit einer Person an der Spitze nicht mehr zu schaffen ist.

Ehrlich hofft, in Wachstumsmärkten wie den USA, aber auch in China Fuß fassen zu können. „Das Land ist durchaus interessant geworden, denn dort entsteht ein Skiort nach dem anderen. Unsere Produkte sind ja auch höherpreisig, potenzielle Käuferinnen gibt es in China jede Menge. Das ist ein Hoffnungsmarkt.“

Die Frage, ob Ulli Ehrlich in den familiären Betrieb eintreten würde, stellte sich nie wirklich. „Das war irgendwie logisch. Wir haben 15 Jahre lang neben der Fabrik gewohnt, ich habe es schon damals geliebt, zu meiner Mutter ins Geschäft zu gehen und Stoffe zu verkaufen.“ Und so war es keine Überraschung, dass Ehrlich 1998 gemeinsam mit ihrer Schwester ins Unternehmen kam und gleich auch Anteile erhielt. In der Zwischenzeit hatte die fünf-fache Mutter jedoch einige tragische Schicksalsschläge zu meistern. Mit 21 Jahren hatte die Unternehmerin einen Autounfall, der sie nahezu das Leben kostete, und 2008 verunglückte ihr Mann und Vater der vier Söhne tödlich – er war als Vertriebsleiter bei Sportalm tätig. Dass sie sich aus diesen Zeiten zurückkämpfte, lässt Ehrlich auch auf unternehmerische Krisen anders blicken. Heute sagt sie: „Tendenziell bin ich kein Mensch, der sich von Angst lähmen lässt.“

Denn auch für Sportalm Kitzbühel lief es nicht immer wie am Schnürchen. Bereits kurz nach der Übernahme machten dem damals in Skimode investierenden Betrieb in den 1980er-Jahren mehrere schnee-arme Winter in Folge das Leben schwer. Damals rettete die Beliebtheit des klassischen Dirndls das Geschäft. Auch die Russlandkrise 2016 machte den Ehrlichs stark zu schaffen, nachdem im Osten groß investiert worden war.

Diese Lehren prägten sowohl Ehrlichs Vater als auch die Tochter. Heute achten beide massiv auf eine ausreichende finanzielle Absicherung, die Eigenkapitalquote beträgt satte 74 %. Das Wachstum soll in Zukunft Schritt für Schritt passieren. „Wir müssen auch in Zukunft gut und gesund aufgestellt sein, denn der Markt ist extrem volatil.“ Als neue „starke Frau“ im Unternehmen will Ehrlich ihre Rolle auch anders interpretieren, als das ihr Vater getan hat. Der Vater hat das Unternehmen fast 40 Jahre lang geprägt, die Tochter will dem Betrieb jedoch ihr ganz eigenes Gesicht geben. „So, wie es unter meinem Vater war, wo es diese starke Persönlichkeit gab, die in Personalunion alles überblickt hat, wird es nicht mehr sein. Die Zeiten sind derart komplex geworden, dass das mit einer Person alleine an der Spitze nicht mehr zu schaffen ist. Daher tendiere ich eher dazu, dass wir uns ein starkes Team aufbauen; dass jeder gut ist in seinen Kompetenzen.“

Und auch Fähigkeiten, die bisher noch nicht im Unternehmen vorhanden waren, will Ehrlich aufbauen, etwa das Prozessmanagement: „Wir sind, wie viele Familienunternehmen, vor uns hin gewachsen, ohne uns großartig zu überlegen, ob die Struktur Schritt hält mit dem Wachstum.“

Ulrike Ehrlich, Sportalm Kitzbühel 3

Denn im Rahmen der Neuaufstellung wurde auch die Führungsmannschaft bei Sportalm Kitzbühel neu organisiert. Neben Vater Wilhelm wurde für den Beirat Alexander Gedat geholt – der ehemalige CEO von Marc O’Polo soll seine langjährige Expertise in der Branche einbringen. Als Dritter im Bunde komplettiert ab 1. November Norbert Lock den Beirat, der 19 Jahre lang bei Marc Cain tätig war, zuletzt als Geschäftsführer Gesamtvertrieb. Und auch im operativen Geschäft wurde umstrukturiert: Caterina Casciaro wird Head of Product – „und damit in gewisser Weise meine rechte Hand“, wie Ehrlich sagt. Dirk Pracel wird Vertriebschef, Karl Stefanitsch übernimmt die Herrschaft über die Finanzen von Vater Ehrlich und Peter Kamuf wird Einkaufsleiter.

Als alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin hat Ehrlich die Zügel zwar vorerst ganz alleine in der Hand. Doch insbesondere in die Geschäftsleitung sollen schon bald ein bis zwei Kolleginnen nachrücken. Und Ehrlich hofft, dass diese Personen aus dem Unternehmen rekrutiert werden kann. Dass auch zusätzliche Gesellschafter oder Investoren an Bord kommen könnten, ist laut Ehrlich hingegen eher unwahrscheinlich. „Man soll niemals nie sagen, das ist aber aktuell kein Thema.“ Mit der hohen Eigenkapitalquote sei auch der Bedarf an Finanzinvestoren überschaubar. Für Ehrlich wird es jedenfalls eine neue Rolle sein, neben dem kreativen Geschäft auch das Unternehmen als Ganzes zu leiten. Wirkliche Sorgen, dass sie mit dem geschäftlichen Part überfordert sein könnte, hat die Kitzbühlerin jedoch keine: „Ich bin ja jetzt auch schon ein Zeitl dabei. So gesehen hatte ich die Möglichkeit, da hineinzuwachsen. Ich glaube, ich bin schon ein adä-quater Gesprächspartner für unseren Finanzchef.“ Die Unterschiede zum Vater betont sie aber auch hier: „Mein Vater war ein klassischer Kaufmann, der sehr gut mit Zahlen umgehen konnte. Meine Rolle sehe ich eher darin, dass ich eine Vision und Strategie entwickeln kann – und dann die Leute begeistern, dass sie die Pläne mit mir gemeinsam umsetzen.“

Eine Marke, die Ehrlich imponiert, ist Ralph Lauren: „Das ist mehr als Kleidung, das ist ein Lebensgefühl.“ Ähnliches möchte Ehrlich auch im eigenen Unternehmen etablieren – mehr zu sein als Kleidung, mehr zu sein als eine Modemarke, sondern einen Lifestyle zu vermitteln, mit dem sich die Kundinnen identifizieren können. Obwohl die Produktion zu einem Großteil in der rund 500 Mitarbeiter umfassenden Fabrik in Bulgarien stattfindet, ist für Ehrlich die Herkunft und die Beto-nung dessen wichtig. Denn das Unternehmen hat kürzlich erst sechs Millionen € in den Unternehmenssitz gesteckt – auch, um am Heimatort in Kitzbühel stärker wahrgenommen zu werden. „Aus Kitzbühel kommend haben wir noch viel Potenzial, diesen Lifestyle in unserer Marke zu verankern“, sagt Ulli Ehrlich.

Text: Klaus Fiala
Fotos: Verena Vötter

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