Europcar: Neue Mobilitäts-Themen, neue Geschäftsleitung

Europcar ist der führende Autovermieter in Europa und einer der größten Anbieter auf dem Mobilitätsmarkt. Aktuell ist Europcar mit 18 Stationen und 2.300..

Europcar ist der führende Autovermieter in Europa und einer der größten Anbieter auf dem Mobilitätsmarkt.

Aktuell ist Europcar mit 18 Stationen und 2.300 ständig verfügbaren Fahrzeugen der größte Vermieter von Fahrzeugen aller Art in Österreich. Seit 1997 ist Europcar eine 100-prozentige Tochter der Porsche Bank. Inés Kaufmann-Sackl ist als neue Geschäftsführerin und seit vergangenem Sommer im Einsatz. Mit dem neuen Carsharing-Projekt comm! by Europcar und ECARREGIO, dem ersten, österreichischen gemeindeübergreifenden und elektrisch-betriebenen Carsharing Projekt, hat sich in Österreich einiges getan. Inés Kaufmann-Sackl, Vertriebsleiter Thomas Schevaracz-Helm und Kerstin Hutter, Leitung Marketing & Kommunikation, standen im Forbes Interview Rede und Antwort.

Forbes Austria: Frau Kaufmann-Sackl, bis Juni dieses Jahres waren Sie als Geschäftsführerin bei der Porsche Finanzgruppe in Bulgarien tätig. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Inés Kaufmann-Sackl: Ich habe innerhalb des Konzerns meine Position gewechselt, war zuvor über vier Jahre in Bulgarien und habe trotz der angespannten, wirtschaftlichen Lage mit meinem Team einiges erreicht und ein solides Business aufgebaut. Die Idee wieder nach Österreich zurück zu gehen war gerade aktuell für mich geworden und das Angebot, ein Unternehmen zu leiten, dessen Kerngeschäft es ist innovative Produkte anzubieten, empfinde ich bis heute, 4 Monate nach der Übernahme, als eine sehr spannende Aufgabe.

Sind Sie in Ihre neue Rolle schon angekommen?

Inés Kaufmann-Sackl: Ja, sehr gut! Mit dem Background der Finanzierung, muss man das Mindset natürlich anpassen, doch ich habe schlussendlich noch immer mit Autos zu tun. Bei Europcar Österreich kommen jetzt bei allen „bekannten“ Themen neue hinzu, etwa Planung von Mobilitätsspitzen, Kapazitäten und Auslastung. Denn man will natürlich die Autos nicht nur an den Kunden bringen, sondern das auch bei einer höchstmöglichen Auslastung realisieren können. Es gibt in diesem Business noch viel mehr Stellschrauben, wie Mengenplanungen und so weiter. – man könnte es zum Teil mit der Hotellerie vergleichen.

Welche aktuellen Herausforderungen haben Sie nach Österreich gezogen?

Inés Kaufmann-Sackl: Europcar ist in Österreich als Premium-Marke am Markt etabliert, lange dabei und immer noch Marktführer. Doch wir sind gleichzeitig vom Markt stark getrieben und werden von Low Cost-Anbietern herausgefordert. Branchenkollegen bemühen sich in Europa gerade um Gewinn an Marktanteilen und bringen die finanziellen Möglichkeiten mit – das drückt natürlich den Preis. Wir bleiben daher stets nahe am Markt und analysieren die Anforderungen.

Wie groß ist der Marktanteil von Europcar in Österreich?

Kerstin Hutter: Im letzten Jahr hat die Erhebung eines Fachmagazins ergeben, dass wir mit rund 4.500 angemeldeten Fahrzeugen pro Jahr führend sind. Umgelegt sind das im Schnitt circa 2.300 Fahrzeuge, die ständig und zeitgleich angemeldet sind. Das Gros der Flotte bleibt auch im Schnitt nur 6 Monate im Fuhrpark, wenige Modelle, beispielsweise Transporter, werden nach 12 Monaten ausgetauscht. Die Kunden haben mit unserem Service und dem ständig wechselnden Fahrzeugen, die nahezu zu 100% aus dem VW Konzern stammen, einen besonderen Mehrwert. So differenzieren wir uns von Dumping-Preisen, womit man in unserem Segment nicht leicht gleichziehen kann. Die Autovermietung ist nach wie vor ein „Cent-Geschäft“.

Durch Anbieter wie Car2Go oder DriveNow setzt sich die Sharing-Mentalität in Österreich auch beim Thema Mobilität immer stärker durch. Wie hat sich das auf das Mietwagen-Geschäft ausgewirkt?

Inés Kaufmann-Sackl: Wir sehen das nicht als direkte Konkurrenz, denn im Idealfall entscheidet sich ein und derselbe Kunde situationsabhängig für Carsharing, oder ein Mietauto. Wenn ich kurz im urbanen Raum unterwegs sein möchte, bietet sich Ersteres besser an, wogegen wenn Tagesmieten oder Fahrzeugbedarf im Sinne einer Langzeitmiete gefragt sind, wird die Entscheidung auf den Leihwagen entfallen. Kurz vor meinem Eintritt in die Geschäftsführung hat Europcar in Österreich mit comm! by Europcar ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht.

Thomas Schevaracz-Helm: Bei uns hat sich gezeigt, dass beide Segmente nebeneinander bestehen können und sich auch ergänzen. Die Hälfte unserer Kunden liegt im Bereich der klassischen Privatkunden und die weitere Hälfte entfällt auf Firmenkunden. Um im Carsharing-Segment mitzuspielen, bieten wir, mit comm! by Europcar, für alle Kundengruppen eine Mischung aus Carsharing und Vermietung an und auch eine Ergänzung zu Leasing, eben bei Mobilitätsspitzen. Unsere Überlegungen ergaben, dass neben den bekannten Free-Floating-Modellen und der klassischen Autovermietung, ein stationsbasierte Carsharing, mit dem Background und dem Know How des Mietwagengeschäfts fehlte. Mit comm! by Europcar stellen wir Carsharing für eine definierte Gruppe bzw. einen geschlossenen Anwenderkreis zur Verfügung. Das sind zum einen kommunale Gemeinden, größere Wohnhausanlagen und Unternehmer. Firmen nutzen dieses Modell etwa um die Fahrzeuge außerhalb des üblichen Einsatzbereichs Ihren Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen, also Pool-Fahrzeuge, die am Wochenende genutzt werden dürfen.

Wie kommt das Produkt am Markt an?

Thomas Schevaracz-Helm: Die Nachfrage ist groß, auch wenn es noch ein Nischensegment ist. Am Anfang weiß man selten, wie groß die Nachfrage wirklich sein wird, wenn man Carsharing in einer Wohnhausanlage oder in einer Gemeinde implementiert. Der Bezug von Fahrzeugen erfolgt via Miete, es kann mit einem kleinen Fahrzeug-Pool gestartet werden und dieser wiederum variabel den Anfragen und Nutzungsverhalten angepasst werden. Das ist auch zeitlich und örtlich unabhängig, ein Austausch oder Aufstockung kann unbürokratisch geschehen. Da dürfen sich die User auf unsere Flexibilität verlassen.

Können Sie mir von einem bereits realisierten Projekt erzählen?

Thomas Schevaracz-Helm: Wir haben seit Mai dieses Jahres das Pilotprojekt ECARREGIO im Regelbetrieb. Im Süden von Wien bieten wir für die fünf Gemeinden Perchtoldsdorf, Mödling, Maria Enzersdorf, Brunn am Gebirge und Guntramsdorf ein elektrisch-basiertes, gemeindeübergreifendes Carsharing an. In jeder Gemeinde gibt es den fix definierten Standort – jeweils direkt bei einer installierten Ladestation für die Elektrofahrzeuge. Die Nutzer und Nutzerinnen registrieren sich einmalig und können den Tarif nach ihren Bedürfnissen wählen.

Sind die Nutzer dabei verlässlich, wenn es um das Zurückgeben der Fahrzeuge geht?

Thomas Schevaracz-Helm: Die Erfahrungen, die wir mit diesem Projekt gemacht haben sind mannigfaltig und durchwegs positiv. Wir haben im Schnitt 30 Nutzer pro Fahrzeug, was eine ideale Nutzer-Größe ist, damit für alle Teilnehmenden ausreichend Verfügbarkeit gegeben ist. Spannend ist auch, dass das Nutzungsverhalten und der Sharing-Gedanke extrem gut funktionieren. Es gab einen einzigen Fall in fünf Monaten, wo ein Nutzer die Mietzeit überschritten und uns aber rechtzeitig kontaktiert hat. Die Menschen können mit dem Sharing-Gedanken sehr gut umgehen.

Gibt es das Angebot auch im urbanen Gebiet?

Thomas Schevaracz-Helm: Ja, wir haben ein Carsharing-Modell im 23. Bezirk in einer Wohnhausanlage im Einsatz, wo den Bewohnern zwei Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Ab Dezember 2016 werden wir in Innsbruck mit einem Wohnbauträger zusammenarbeiten und direkt im Zentrum Innsbruck´s Carsharing anbieten. Und seit Mitte Oktober gibt es in der Stadt Graz, initiiert von der Graz-Holding, mit der wir eng zusammenarbeiten, ein Mobilitätskonzept mit multimodalen Knotenpunkten. Unser Produkt kann aber genauso im Tourismus-Bereich eingesetzt werden. Zum Beispiel für ein Hotel, wo in der Sommerzeit Cabrios und im Winter Allrad-Fahrzeuge für die Hotelgäste zur Verfügung stehen. Die Nachfrage wird immer größer.

Wer ist der durchschnittliche Europcar-Kunde?

Kerstin Hutter: Sowohl die Carsharer als auch die üblichen Mietkunden sind die zwischen 35- bis 50-Jährigen, die unsere größte Kundenschicht widerspiegeln und davon sind circa 60 Prozent männlich. Das Verhältnis zwischen nationalen und internationalen Kunden hält sich bei den Mietern ungefähr die Waage, wogegen die Carsharing-Nutzer weitgehend ÖsterreicherInnen sind.

Und was bringt die Zukunft?

Inés Kaufmann-Sackl: Im klassischen Kerngeschäft werden wir auch im nächsten Jahr ganz klar am Premium-Anspruch festhalten und von unserer hochwertigen Flotte nach wie vor die komplette Range anbieten und natürlich auch erweitern. Die ersten Erfahrungen und die vielen Anfragen, die uns in den letzten Wochen im Bereich Carsharing erreicht haben, stimmen mich extrem zuversichtlich, dass wir 2017 weitere einzelne Carsharing-Lösungen in Österreich platzieren werden.

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